Als Amazon vor Jahren die Wunschliste einführte, fand ich das ganz wunderbar. Inzwischen führt fast jeder Onlineshop eine Wunschliste für registrierte Kunde. Für Händler sind Wunschlisten wichtig als Kundenbindungsinstrument, doch nicht nur das. Wunschlisten helfen beim Aufbau oder Straffen des Sortiments genauso wie beim Anlocken neuer Kundschaft. Schließlich werden Wunschlisten gerne auch öffentlich verlinkt. Was soll die Oma dem Enkel schenken? Die Wunschliste klärt auf. Was wünscht sich der Forumsbetreiber für sein ehrenamtliches Engagement? Seine Wunschliste verrät es. Was wünsche und schenke ich mir selbst, wenn das Budget dafür vorhanden ist? Die Wunschliste erinnert mich. Noch zwei Klicks und das Ding ist gekauft. Einerseits.

Kinder dürfen sich alles wünschen

Andererseits vermisse ich liebevoll gestaltete Wunschzettel, so wie sie früher meine drei Kinder fürs Christkind gebastelt und auf die Fensterbank gelegt haben. Anfangs malten sie ihre innigsten Wünsche noch auf. Später mussten Spielzeugkataloge von Lego, Playmobil oder Vedes dafür herhalten. Es entstanden detaillierte Wunschzettel-Collagen mit genauen Bezeichnungen. So wuchs die Chance, dass der Empfänger den Wunschzettel auch verstand. Du darfst dir alles wünschen, was dein Herz begehrt, war die Regel, das Christkind bringt aber das, was es selbst für richtig hält. An diesem Spruch mussten die Kinder gar nicht so lange knabbern. Unser Budget war immer denkbar knapp und selbst Gebasteltes auch unter dem Weihnachtsbaum eher Regel, denn Ausnahme. Die Kinder liebten ihre kopierten Musikkasetten mit selbst gebastelten Covers trotzdem sehr.

Inzwischen gibt es also Wunschlisten im Internet und Enkel, die schon mit zwei bzw. vier Jahren alles in mehrfacher Ausführung haben, was sie sich vermeintlich wünschen. Klar: Drei Bagger sind  immer besser als nur einer aber spielen kann man doch nur mit einem zum gleichen Zeit. Dass der Vierjährige den Wert seines ausgedehnten Fuhrparks gar nicht einschätzen kann, fällt kaum auf, nur seine ständige Unzufriedenheit, sprich Geschrei. Aber darum geht es ja an Weihnachten nicht. Es geht – angeblich – um neues hochwertiges Spielzeug, am besten pädagogisch wertvoll, sagen die Eltern. Zu viel des Guten gibt es nicht,  statt dessen hilft ein ausgeklügeltes Rotationssystem, alle paar Wochen, langweilig gewordenes Spielzeug gegen (altes aber gut deponiertes) anderes Spielzeug auszutauschen. An sich eine gute Idee, wäre da nicht der ganze Aufwand und das tote Kapital. Es ist ja nicht so, dass das Budget unendlich wäre.

Wunschlisten ja, aber bitte kein Kaufzwang

Was mich das kümmert?  Eigentlich nichts. Als Oma nehme mir die Freiheit, selbst zu entscheiden, was ich für richtig für die Enkel halte. Verwöhnen hat für mich nichts mit gekauften, teuren Spielsachen zu tun. Ich zeige ihnen lieber echte Bagger, Traktoren, Hühner und Katzen hier im Dorf. Und wenn das nicht geht, dann gehe ich gerne mit ihnen raus in den Garten. Gießen findet der Kleine großartig und bis er mit seinem Gießkännchen das Regenfass leer gemacht hat, ist er für Stunden beschäftigt. Wenn ich die Enkel besuche, kneten und malen wir zusammen oder ich lese aus dem Bilderbuch vor. Das geschieht leider viel zu selten, aber deswegen Spielzeug ins Kinderzimmer zu stellen oder die Zwerge nur mit Filmen, ruhig zu halten, ist keine Alternative. Kinder müssen lernen, sich selbst zu beschäftigen. Und dafür genügt schon ein einziges Spielzeug. Ein Überangebot führt zur Reizüberflutung, allgemeiner Genervtheit und viel Geschrei – eben zum täglichen Wahnsinn im Kinderzimmer.

Wunschzettel sind zum Träumen da

Zurück zu den Wunschlisten im E-Commerce und zum Wunsch der Händler, mit ihnen Kunden zu binden und mehr Umsatz zu machen. Was für Händler völlig legitim und sinnvoll ist, zielt im Privaten schnell daneben. Schließlich sind Kinderwünsche völlig losgelöst von der Wirklichkeit. Kinder kennen keine Werte, haben keine Ahnung, wie teuer das Leben ist, wissen nicht, was die Eltern verdienen und erst recht nicht, was ein völlig imaginäres Christkind so schafft. Sie sehen Dinge und wollen sie haben, das ist in Ordnung. Und Kinder, die dauernd auf YouTube Filmchen gucken, entdecken unfassbar viele Dinge, die sie haben möchten. Schade nur, wenn Erwachsene nicht in der Lage sind, zwischen machbar und überzogen zu unterscheiden und sich damit nicht nur selbst schaden, sondern auch ihren Kindern ein völlig falsches Verhalten vorleben.

 

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