Eigentlich ging es in einer TV-Diskussion um die Kampagne „Du bist Deutschland“. Auf einmal landete man beim Bürgergeld, ja oder nein und um die Frage: Verhalten sich diejenigen, die auf Kosten anderer leben, unsozial?“ Jemand behauptet „es gäbe nie wieder Vollbeschäftigung*“ darum sollten sich die Politiker besser darum kümmern, das Geld zwischen allen Bürgern gerecht zu verteilen. Als wenn Geld etwas wäre, dass irgendwo von sich aus existiert und nur dazu da ist, ausgegeben zu werden.

Kommunismus und Sozialismus haben sich selbst überholt, Menschen haben sich weiter entwickelt. Zumindest diejenigen, die eine Chance dazu und selbige auch ergriffen haben. Selbstredend gibt es auch andere Meinung dazu. Immerhin klingt es ziemlich gerecht, wenn alle Bürger gleich sind und die Putzfrau genauso viel verdient wie ein Lehrer. Und wenn man, dank Bürgergeld, den Tag für Dinge nutzen kann, die mehr interessieren als Arbeit. Sofern man überhaupt eine hat. Man kann nach Herzenslust studieren, lesen, auf der Couch liegen und einfach nichts tun, sich lieben, gärtnern, malen … und am Monatsende ist wieder so viel auf dem Konto, wie man zum Leben braucht. Der Haken ist nur: Wer entscheidet darüber, wie viel mein Leben kosten darf? Wie teuer oder billig ist mein Leben – und das meiner Nachbarn? Wer entscheidet darüber, ob es auch ein bisschen mehr sein darf? Und noch wichtiger: Wer füllt den großen Geldsack wieder auf, den andere so gerne via Bürgergeld verteilen.

Bürgergeld ist eine schön gedachte Utopie

Und dann hätten wir ja noch ein weiteres Problem: Wie schotten wir uns so vor der Außenwelt ab, dass niemand von draußen von unserem schönen Bürgergeld profitiert, der dazu nicht berechtigt ist. Mmm? Wer entscheidet, wer Bürgergeld bekommt und wer eben nicht? Um es kurz zu machen: Für mich klingt das Ganze wie eine Utopie, die niemals funktionieren kann.

Das kann man aber auch alles ganz anders interpretieren, sagen jene, die mir unterstellen, meine Ansichten seien furchtbar, unsozial, kalt und sogar rassistisch. Dennoch sei die Eingangsfrage wiederholt: Was motiviert uns? Was verleiht uns Flügel? Wie kriegen wir uns selbst und unsere Kinder dazu, Dinge zu tun, die zunächst nicht wahnsinnig spaßig sind und trotzdem notwendig? Und hatte mein Vater Recht, als er uns in jungen Jahren mit diesem Satz nervte:

„Faulheit und Phlegma machen unfrei“

„Fleiß, selbstständiges Denken und vernünftiges Handeln machen frei, „Faulheit und Phlegma machen unfrei. Oder nach diesem, noch viel älteren Zitat :

„Gibst du einem Mann einen Fisch, nährt er sich einmal. Lehrst du ihn das Fischen, nährt er sich ein ganzes Leben.“

Dschuang Dsi (350 – etwa 275 v. Chr.), Taoistischer Philospoh, Gegner des Konfuzianismus.

Heißt übersetzt: Jemand, der gelernt hat eine bestimmte Arbeit zu verrichten (fischen) befreit sich von der Sorge, zu verhungern. An dieser Aussage ist doch nichts verkehrt! – Natürlich ist es doof, wenn der See vertrocknet. Dann muss der Fischer sich nämlich entweder einen neuen See zum Fischen suchen oder eine andere Arbeit verrichten. Vielleicht züchtet der Fischer in Zukunft Fische, Rinder oder Blumen? Oder er malt wunderschöne Bilder vom See und verkauft sie dann im Internet? Oder er baut Designer-Betten, die wie Fischerboote aussehen und bei Kindern reißenden Absatz finden? Der Fischer hat die Freiheit zwischen Verhungern und einem beherzten Neuanfang zu wählen.

Wie schlimm wäre es jedoch, würde die Vereinigte Fischerei-Gewerkschaft dem Fischer den Floh der bösartig hinfort gebrachten Fische ins Ohr setzen. Und ihn zum bedingungslosen Aufstand auffordern? Frei nach dem Motto „“Herr, wenn du mir meine Fische nicht wieder gibst, streike ich. Ich werde ohne meine Fische verhungern und du allein trägst daran die Schuld!“

Was motiviert mich?

Mich motivieren 1000 Sachen! Zum Beispiel Neugierde und Lust neue spannende Dinge zu entdecken. Der Dank einer Kundin, die von ihrer Werbekampagne ganz begeistert ist. Mein Honorar, das auf dem Konto liegt. Meine Kinder, die trotz aller Widerstände, gesund, schlau, eigenständig, munter und inzwischen flügge geworden sind, längst auf eigenen Beinen stehen und eigene Familien gegründet haben. Kinder inklusive. Mein Blumengarten und die schöne Umgebung, in der ich hier leben darf – purer Luxus, weit weg von Großstadtlärm und Chaos.

Und was ist mit Faulheit und Phlegma?

Über Faulheit und Phlegma ärgere ich mich ungemein. Bei mir und bei anderen. Wäre oben genannter Fischer ein fauler Kerl, würde er die Hände in den Schoß legen und abwarten, was passiert. Vielleicht rechnet er damit, dass ein anderer mildtätiger Mensch des Weges kommt und ihm ein Stück seines Brotes abgibt. Der Haken ist nur: Er muss klaglos nehmen, was er kriegt. Kann nicht bestimmen, ob Kuchen oder Brot, Wein oder Wasser.“ Bald ist auch nicht mehr in der Lage, die Art seines Wohnens zu bestimmen. Ein Fischer, der nicht fischt, braucht auch keine Fischerhütte! Hohe Gummistiefel, wetterfeste Kleidung etc. pp sind auch nicht mehr vonnöten. Wer jemals in den Fängen eines Jobcenters gefangen war, kennt die Paragraphen, mit denen sein Leben reguliert und nahezu komplett fremdbestimmt wird. Stets abhängig vom Wohlwollen schlecht gelaunter Jobcenter-Mitarbeiter, die nichts Besseres zu tun haben, als Arbeitslose zu verwalten.

Warum sollte es jemanden, der Bürgergeld bezieht, anders als heutigen Hartz-IV-Empfängern ergehen. Überall wo Steuergelder fließen soll, gibt es ein eng gestricktes Regelwerk.

Mein persönliches Fazit: Die Idee Bürgergeld / Bedingungsloses Grundeinkommen klingt zu schön, um wahr zu sein und wird auch nicht funktionieren. Die Finnen haben es ausprobiert und vorzeitig wieder aufgegeben. Das Experiment war wohl für die Gesellschaft insgesamt doch zu teuer und brachte viele Neider hervor.

*Die These mit der unerreichbaren Vollbeschäftigt hat sich inzwischen, 18 Jahre nach dem ersten Erscheinen dieses Textes, erledigt. Heute braucht Deutschland dringend Arbeitskräfte. Über das Bürgergeld wird immer wieder diskutiert, zuletzt bei den Verhandlungen zur Jamaika-Koalition. Noch so eine gescheiterte, kühne Idee.

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